Museumsobjekte

Die historischen Bestände des Töpfereimuseums Raeren stammen zum größten Teil aus archäologischen Grabungen der 1950er bis 2010er Jahre. Sie wurden in verschiedenen historischen Ortsteilen gezielt oder im Rahmen von Rettungsgrabungen geborgen und weisen allesamt einen historischen Produktionskontext auf.

Einzelheiten dazu sind – insofern bekannt – beim jeweiligen Objekt zu finden. Wir bemühen uns, die historische Sammlung Stück für Stück vollständig zu digitalisieren und hier online zur Verfügung zu stellen. Allerdings bedarf dies eines hohen Zeitaufwandes. Daher bitten wir Sie, ein wenig Geduld zu haben und immer wieder mal reinzuschauen, ob und welche neuen Objekte hinzugekommen sind.

7012

 
Hauptspezies Krug
zugehörige Funktionsgruppe [Ausschenken, Trinken]
Unterspezies Zylinderbauchkrug
mundartliche BenennungenSchifferkrug
Museum44848
Inv.-Nr.7012
Form des Objekts zylinderbauchförmig
Stand-/Bodenformprofilierter Fuß mit Linsenboden
Handhaben
  • [Henkel]
  • Henkel in Form gedrückt
  • dekorativer Henkelauslauf
  • [Henkelauslauf]
  • [Henkelquerschnitt]
  • Henkelquerschnitt profiliert
Farbe mittelbraun
Dekoration
  • [Auflagen]
  • Bauchfries
  • Halsfries
  • [Auftragungen]
  • engobiert
  • [plastische Oberflächenbehandlung]
  • Kannelierung
  • profiliert
  • Rollstempeldekor
  • Stempelung
Darstellung
  • [Bauchfries]
  • [Halsfries]
  • Bauchfries Menschen ([Kur-]Fürsten)
  • Halsfries Menschen
IkonographieKaiser Karl der Große - Zwerge
InschriftenCAROLVS MAGNVS - Gedicht über Zwerge
Materialgebrannter Ton
Formtechnik eingedreht
Brenntechnik Steinzeug
Glasurtechnik Salzglasur
Höhe (H)44
maximaler ∅ (Dmax)22
Bemerkung

Zylinderbauchförmiger sehr großer Krug aus der Werkstatt des Hubert Schiffer, Raeren (19. Jh.) mit Darstellung von Karl dem Großen;

flach abgedrehter Mündungsrand, darunter leicht konisch erweiterte FReifläche über einem breiten ZIerwulst mit darüberliegenden parallel waagerecht umlaufenden Rillen und darunter liegender Hohlkehle, auf dem zylihdrischen Gefäßhals ein aufgelegter FRies mit Personenbüsten unter Arkaden, entstammend aus dem archäologischen Fundmaterial Raerens, darunter mehrere parallele waagerecht umlaufende Zierprofile;

konvex gewölbte schmale Gefäßschulter mit abwechselnden Feldern mit schmalem Kerbschnittdekor und dazwischen liegenden senkrechten schmalen und breiteren Kanneluren, unten aubgeschlossen durch ein waagerecht umlaufendes Zierprofil mit anschließender Hohlkehle und weit auskragendem flach nach unten gewölbten Wulst, mit waagerecht umlaufendem großformatigem floralem Rollstenpelmotiv, unterer Rand über dem waagerechten Einzug zum zylindrischen Mittelteil mit Rollstempeldekor;

nach unten sich verjüngender konvex gewölbter Unterteil mit breiten senkrechten Kennluren und dazwischenliegenden Profilen mit Rollstempeldekoren, auskragender Fuß mit mehreren parallel umlaufenden schmalen waagerechten Profilen über einer gerundet abgedrehten Standfläche;

hoher zylindrischer Mittelteil durch senkrechte breite Rollstempelbänder unterteilt, mit unterschiedlichen Bildmotiven:
gegenstädnig zum (abgebrochenen) Henkel ein aufgelegtes großformatiges Bild eines Herrschers auf einem Pferd, links oben im Hintergrund eine Stadtkulisse, rechts oben Drachengestalten, unten Vegetation, über der Reiterfigur die INschrift CAROLUS MAGNUS  (Karl der Große);

rechts daneben in der unteren Hälfte eine aufgelegte Szene mit vier Zwergen und einem großen Trinkgefäß mit Zinndeckel, darüber in einem Arkadenbogen der Teil eines (durch Schiffer verfassten?) Gedichtes:
FRISCH AUF! SPRACH NUN DER KAISER - DIE JAGD GING WEITER FORT - DA HUSCHTEN IN DEM HAUSE - DIE ZWERGLEIN HIER UND DORT - EIN BECHER WAR VERGESSEN; - GEFÜLLT NOCH HALB MIT WEIN: - WIE SCHLÜRFTEN DA DIE ZWQERGE; - WIE STIEGEN SIE HINEIN.
unter dem Henkelauslauf eine zweite Szene mit zwei Zwergen in einer Landschaft und dem Trinkgefäß, darüber im Arkadenbogen der zweite Teil des Gedichts:
WIE SASEN SIE UND SANNEN  - UND SCHWITZEN FRÜH UND SPÄT - BIS ENDLICH RIEF EIN ALTER: GEB' ACHT JETZT WEIS ICH RATH. - SCHNELL STÜRMTE ER ZUM WALDE; - HOLT THON SCIH WEICH UND FEIN - UND BALD HAT ER GEFORMET - DAS SCHÖNSTE BECHERLEIN.
die dritte Szene zweigt zwei Zwerge mit dem Gefäß vor einem Feuer, darüber im Arkadenbogen die Verse:
ER TRUG ES DENN HINUNTER - TIEF IN DES BERGES SCHACHT - UND SPRACH ZUM ERDGESIT HEITER: - SIEH! DAS HAB ICH GEMACHT! - NUN BRENN UND GLÜH DU WEISE - MEIN FEINES BECHERLEIN - MIR SAGT ES MEINE AHNUNG; - ALS WÜRD' ES HART WIE STEIN.

Vermutlich stammen die Verse aus Hubert Schiffers Feder, der auch als Heimatdichtewr bekannt war und hier die Sagen von Zwergen, von den Kölner Heinzelmännchen und Karl dem Großen zur Erfindung des harten Steinzeugs mischt. 

das gesamte Gefäß ist gleichmäßig engobiert und in eine Form eingedreht; unter dem Standboden die eingestempelte verschlungene Signatur HS

 

Datierung1850-1900 (Historismus)
Hersteller Kuenstler44909
HerstellungszweckDekorobjekt
Literaturverweis48147
Bemerkung (Literaturverweis)S. 346ff
ZugangsartSchenkung
Copyright44848