Hauptspezies Einzelfigur weiblich
zugehörige Funktionsgruppe [Plastische Figuren]
mundartliche BenennungenPfeifentonfigur
Museum44848
Inv.-Nr.5048
Stand-/BodenformFlachboden
Farbe weiß
IkonographiePieta
Materialgebrannter Ton
Formtechnik in die Form gedrückt
Brenntechnik Irdenware
BemerkungUnterer Teil einer Pfeifentonfigur, gefunden in Eynatten. Ob es sich dabei um ein Objekt aus heimischer Produktion oder eher aus dem Verbrauchermilieu handelt, ist unklar - Letzteres ist wahrscheinlich. Allerdings wurden derartige Objekte im Rheinland und auch in Aachen/Raeren zwischen 1500 und 1600 gefertigt.
Gerard Volker Grimm schreibt dazu: "Ebenfalls aus Eynatten, aber nicht vom gleichen Fundort wie das segnende Jesuskind, stammt das Fragment einer Pieta auf hohem Sockel. Erhalten sind nur Marias Unterschenkel, ihr Sitz und die Füße Jesu. Ein relativ stark abgegriffenes aber vollständig erhaltenes Exemplar, das vom gleichen Modello herrührt, ist aus Worms bekannt und ermöglicht die Bestimmung des Sujets.
Vom Eynattener Fund unterscheidet sich das Wormser Stück dadurch, dass es größer ist und der Sockel fehlt. Beides ist typisch für Figuren aus älteren Modelgenerationen, also einem dem Modello näher stehenden Abdruck.
Von der Mehrzahl der Wormser Stücke unterscheidet sich die Pieta vor allem aufgrund ihres niederländischen Stils. Für die Datierung sind insbesondere die leicht gelängten Proportionen und die Knitterfalten dort, wo das Gewand aufliegt, entscheidend.
In Tournai wie am Mittelrhein kommen beide Stileigentümlichkeiten um 1430 auf. Andererseits entspricht der Gesichtstypus noch demjenigen Robert Campins und seines Umfelds (sog. Flemalle-Gruppe), v.a. die steifen rückseitigen Gewandfalten sind als Relikte des internationalen Stils zu betrachten, wie sie in beiden Regionen in den 1440er Jahren nicht mehr vorkommen.
Allerdings kann es sich schon bei der Wormser Pieta nicht um einen Abdruck aus der ersten Modelgeneration handeln, was besonders deutlich an Unstimmigkeiten bei dem linken Bein Jesu ersichtlich ist, an dem sich eine Trennlinie abzeichnet, die von einer älteren Modelfuge herrührt. Es handelt sich also bereits beim Wormser Exemplar um eine Umkopie, bei der ein Tonfigürchen zur Herstellung eines Models abgeformt wurde. Das Eynattener Stück dürfte wegen des höheren Schwundes noch jünger sein. Der Sockel ist präziser abgeformt als die Gewandfalten, so dass man die Figurengruppe nicht näher als in
das zweite bis dritte Viertel des 15. Jahrhunderts datieren kann." (GRIMM, Gerald: Tonfiguren der Spätgotik und Renaissance im Töpfereimuseum Raeren Tonfiguren der Spätgotik und Renaissance im Töpfereimuseum Raeren), Raeren 2010.
Datierung1400-1500 (SMA II)
HerstellungszweckHeiligenverehrung
vgl auch Objekt152365
Zugangsartarchäologischer Fund
Zugangsdatum1961
Copyright44848