Museumsobjekte

Die historischen Bestände des Töpfereimuseums Raeren stammen zum größten Teil aus archäologischen Grabungen der 1950er bis 2010er Jahre. Sie wurden in verschiedenen historischen Ortsteilen gezielt oder im Rahmen von Rettungsgrabungen geborgen und weisen allesamt einen historischen Produktionskontext auf.

Einzelheiten dazu sind – insofern bekannt – beim jeweiligen Objekt zu finden. Wir bemühen uns, die historische Sammlung Stück für Stück vollständig zu digitalisieren und hier online zur Verfügung zu stellen. Allerdings bedarf dies eines hohen Zeitaufwandes. Daher bitten wir Sie, ein wenig Geduld zu haben und immer wieder mal reinzuschauen, ob und welche neuen Objekte hinzugekommen sind.

5047

Expertenmodus
 
Hauptspezies Einzelfigur weiblich
zugehörige Funktionsgruppe [Plastische Figuren]
mundartliche BenennungenFoyer-Madonna
Inv.-Nr.5047
Form (in Freitext)aus Model geformt
Stand-/BodenformFlachboden
Farbe
  • beige
  • hellbraun
IkonographieMondsichelmadonna
Materialgebrannter Ton
Formtechnik in die Form gedrückt
Brenntechnik Irdenware
Bemerkung

Es handelt sich um ein Fragment der sogenannten "Notre-Dame-de-Foyer" aus der Kirche Notre-Dame de Foy östlich von Dinant. Das Original aus gebranntem Ton (Pfeifenton) wurde im Jahr 1609 durch einen Holzfäller in einem hohlen Eichenbaum am Rande eines Pilgerweges gefunden und wird seitdem dort verehrt.

In der Regel dienten solche kleinen Madonnen, basierend auf größeren Originalen aus Holz, der häuslichen Frömmigkeit und wurden beispielsweise als PIlgerandenken verkauft. 

Wo die Madonna gefertigt wurde, ist unklar. Sie entspricht jedoch dem Typus der sogenannten "Mondsichelmadonna", wie sie im Rheinland (Köln und Umfeld, möglicherweise Raeren oder Aachen) in mehreren Varianten aus dem Zeitraum um 1500-1600 bekannt ist
(siehe https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/TBZJF5KOVD2CHH65TK7DVBV5CNS2N6EZ).

Dieses Fragment wurde 1961 in Eynatten im Kontext einer Steinzeugproduktion gefunden (Nachbildung, siehe Inv. Nr. 5046). Ob es sich dabei um einen Produktionsabfall oder ein Objekt aus dem Verbrauchermilieu handelt, ist unklar.  

Ikonografische Bedeutung

Die Darstellung der Mondsichelmadonna (auch als apokalyptische Madonna oder Strahlenkranzmadonna bekannt) ist ein bedeutender ikonografischer Typus in der christlichen Kunst. 
  • Apokalypse-Bezug: Das Motiv leitet sich aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) ab, die von einer "Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone aus zwölf Sternen" berichtet.
  • Symbolik: Die Mondsichel symbolisiert oft Reinheit, Keuschheit und den Sieg Marias über die Erbsünde (oft in Verbindung mit einer zu ihren Füßen liegenden Schlange). Sie unterstreicht die Rolle Marias als Himmelskönigin und Gottesmutter. 
  • Figuren aus Pfeifenton waren aufgrund des kostengünstigen Materials und der effizienten Herstellung im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit eine beliebte und erschwingliche Form der privaten Andacht und Volksfrömmigkeit.
Datierung1500-1550 (FNZ I)
HerstellungszweckHeiligenverehrung
vgl auch Objekt152364
Literaturverweis45598
Zugangsartarchäologischer Fund
Zugangsdatum1961
Copyright44848