Museumsobjekte

Die historischen Bestände des Töpfereimuseums Raeren stammen zum größten Teil aus archäologischen Grabungen der 1950er bis 2010er Jahre. Sie wurden in verschiedenen historischen Ortsteilen gezielt oder im Rahmen von Rettungsgrabungen geborgen und weisen allesamt einen historischen Produktionskontext auf.

Einzelheiten dazu sind – insofern bekannt – beim jeweiligen Objekt zu finden. Wir bemühen uns, die historische Sammlung Stück für Stück vollständig zu digitalisieren und hier online zur Verfügung zu stellen. Allerdings bedarf dies eines hohen Zeitaufwandes. Daher bitten wir Sie, ein wenig Geduld zu haben und immer wieder mal reinzuschauen, ob und welche neuen Objekte hinzugekommen sind.

5030

Expertenmodus
 
Hauptspezies Apothekengefäß
zugehörige Funktionsgruppe [Chemie, Pharmazie, Technik]
mundartliche BenennungenAlembic (Destillierhelm) - Mohrenkopf
Museum44848
Inv.-Nr.5030
Form des Objekts zylindrisch
Form (in Freitext)mit innenliegendem Kegel (Doppelwandgefäß)
Ausgussform Tülle
Farbe
  • grau
  • hellbraun
Materialgebrannter Ton
Formtechnik
  • gedreht
  • handgeformt und nachgedreht
Brenntechnik Steinzeug
Glasurtechnik Salzglasur
Höhe (H)24
Boden ∅ (B)16,5
Mündungs ∅ (M)18,5
maximaler ∅ (Dmax)18,5
Restaurierungteilweise ergänzt
Bemerkung

Bei diesem ungewöhnlichen Objekt mit zylindrischer Grundform handelt es sich um ein sogenanntes Alembic (alambic) oder Destillierhelm der Gattung "Mohrenkopf"; in den zylindrischen, nach unten gerundet/verjüngt abgedrehten Gefäßkörper ist ein kegelförmiger Einsatz eingedreht; außen ist eine schräg nach unten verlaufende Tülle angesetzt, an deren oberem Ansatz zwei Löcher über anmontierten Ablaufrillen eingearbeitet sind. 

Das Objekt wird auf einen Destillierkolben (siehe Inv. Nr. 2030) aufgesetzt, der das Destilliergut (Maische = gegorenes Korn, Trauben, Beeren, Kräuter usw. mit Wasser vermischt) enthält und über dem Feuer erhitzt wird; der aufsteigende Dampf wird durch das Einschütten von kaltem Wasser von oben in die Zylinderöffnung abgekühlt und schlägt sich als Alkohol an der Innenwand des Kegels nieder, von wo aus er durch die Tülle in einen darunterstehenden Auffangbehälter ablaufen kann; das Kühlwasser läuft durch die Löcher oberhalb der Tülle und die daran anschließenden Rillen an der Tülle von außen entlang ab und wird über den weit auskragenden Rand über den Auffangbehälter hinaus abgeleitet.

Diese Art des historischen Destillierhelms wird in der Fachliteratur "Mohrenkopf" genannt; sie war nicht besonders effizient und wurde daher über das 16. Jh. hinaus kaum genutzt. Die Fertigung aus Steinzeug ist zudem ungewöhnlich, da sich dieses nur bedingt zu starker Erhitzung eignet - besser waren Vorrichtungen aus Glas oder Metall, allerdings auch wesentlich teurer. Wahrscheinlich wurde es im häuslichen Gebrauch zur Destillation von Branntwein (aus Korn) oder Kräutertränken genutzt,

Der Fundkontext mit zwei verschieden großen zugehörigen Kolben und mehreren Auffangbechern weist darauf hin, dass es sich wahrscheinlich nicht um ein Einzelstück handelt, sondern um eine kleine Produktserie. 

Datierung1400-1500 (SMA II)
Bemerkung (Fundangabe)gemeinsam mit 2030, 2031 und mehreren Auffangbechern mit flachem auskragendem Mündungsrand
HerstellungszweckDestillation
vgl auch Objekt48420
Literaturverweis48147
Bemerkung (Literaturverweis)S. 125-130
Zugangsartarchäologischer Fund
Copyright44848