Sonderformen

Neben dem Geschirr fertigten die Raerener Töpfer auch alle möglichen anderen Dinge aus Steinzeug an. Es gibt Kinderspielzeug für die Puppenstube oder Murmeln, Flöten in Form von Narrenköpfen oder Figuren, Würfelbecher, Tintenfässer und Wasserrohre. In großer Stückzahl wurden Spinnwirtel und Spinntöpfchen gefertigt.

Auch beim Geschirr gibt es Sonderformen: Butterteller, Handwaschgefäße (Aquamaniles), Drillingsgefäße und sogenannte Vexierkrüge. Diese können nur unter Zuhilfenahme eines Tricks ausgetrunken werden und waren in der Renaissance sehr beliebt. Auch erotische Darstellungen auf Steinzeug waren sehr beliebt.

Auf Pilgerfahrt

Alle sieben Jahre findet seit dem Mittelalter die Aachener Heiligtumsfahrt statt. Wie damals, kommen auch heute noch Tausende Gläubige in die alte Kaiserstadt, um die Heiligtümer zu sehen: die Windeln Jesu, das Kleid Mariens aus der Heiligen Nacht und das Enthauptungstuch des Hl. Johannes. Die Pilger kamen auf ihrem Weg auch in Langerwehe und in Raeren vorbei, wo ihnen die Töpfer Pilgerflaschen und Pilgerhörner verkauften. Die Hörner wurden bei der Zeigung der Heiligtümer von der Kuppel des Aachener Doms geblasen.

In der Alchimistenküche

Die Salzglasur auf Steinzeug ist vollkommen resistent gegen die meisten Basen und Säuren. Außerdem ist sie geschmacks- und geruchsneutral und sehr einfach mit Wasser zu säubern. Daher war Raerener Steinzeug ideal als Gerät für Apotheken und Alchimisten geeignet. In großer Stückzahl wurden kleine Salbtöpfchen hergestellt.

Auch große Apothekengefäße zur Aufbewahrung von Arzneien, Heiltränken oder Zutaten sind häufig zu finden. Ein absolutes Einzelstück ist eine Destilliervorrichtung mit zwei Flaschen für das Destilliergut und einem sogenannten "Mohrenkopf".