Die "Tupperware" von Bruegel, Aertsen & Co.

Raerener und Rheinisches Steinzeug auf niederländischen Gemälden der Renaissance und des Barock 

Das Töpfereimuseum in der Burg Raeren wartet in diesem Herbst und Winter mit einer ganz besonderen Ausstellung auf: 80 Gemälde der bekanntesten Vertreter der sogenannten niederländischen Genremalerei werden als hochwertige Reproduktionen in Originalgröße gezeigt. Der Clou dabei: Auf allen sind „Raerener Pötte“ abgebildet, so wie sie von den Menschen des 16. – 18. Jahrhunderts verwendet wurden. Natürlich zeigt das Museum dazu auch die Originale aus seinen eigenen Beständen. Zur Ausstellung gibt es ebenfalls einen mehr als 500 Seiten starken Katalog mit mehr als 600 solcher Gemälde und umfangreichen Erläuterungen. 

So wie heute in jedem Haushalt die sogenannte „Tupperware“ in den Schränken steht und zur Aufbewahrung bzw. zum Transport von Speisen und Getränken oder zum Ausschenken und Trinken dient, so war in früheren Zeiten das Rheinische Steinzeug nicht aus den Häusern unserer Vorfahren wegzudenken.

Diese besonders hochwertige, langlebige und oft auch reich dekorierte Keramik wurde ab dem 13./14. Jahrhundert in verschiedenen Töpferorten des Rheinlandes, z. B. in Raeren, in riesigen Mengen produziert und nach ganz Nordosteuropa exportiert. Sie gehörte zum täglichen Leben, nicht nur der Bauern sondern auch der reichen Bürger und Kaufleute, des Klerus und des Adels. Heute ist sie in den Sammlungen vieler Museen weltweit zu finden. 

Panoptikum des Lebens unserer Vorfahren

Die bekanntesten Beispiele, die wohl jeder kennt, sind die Raerener Krüge auf den Gemälden „Der Bauerntanz“ und „Die Bauernhochzeit“ von Pieter Brueghel d. Ä. Doch auch auf einer großen Zahl anderer flämischer und niederländischer Gemälde des 15. bis 17. Jahrhunderts sind rheinische und insbesondere Raerener Steinzeuggefäße abgebildet. Diese sogenannten Genregemälde zeigen ein breites Panoptikum des Lebens in den Niederlanden dieser Epoche: Bauernszenen, religiöse Gemälde, aber auch bürgerliche Interieurs, Stillleben und andere Bildinhalte. Man erkennt auf sehr anschauliche Weise, wie unsere Vorfahren gelebt, gearbeitet und gefeiert haben und dabei in allen Lebenslagen die Krüge, Kannen und Becher benutzten, die von den Raerener Töpfern gefertigt und in die ganze Welt verkauft wurden. 

Hochwertige Reproduktionen in Originalgröße

Rund 80 hochwertige Reproduktionen solcher Gemälde, die über alle großen Museen der Welt verstreut sind, zeigt nun das Töpfereimuseum Raeren in einer Sonderausstellung und kombiniert diese mit Raerener Steinzeugkrügen, die vor Ort ausgegraben wurden und zur Sammlung des Museums in der Burg Raeren gehören. Unter den Malern sind weltbekannte Namen wie die der Familie Bruegel, Pieter Aertsen, Jan Steen, Georg Flegel oder David Teniers, aber auch weniger bekannte Künstler. Die Exponate werden durch umfangreiche und leicht lesbare Textinformationen ergänzt, in denen die Zusammenhänge aus verschiedenen Blickwinkeln erläutert werden. Diese Informationen werden ebenfalls mehrsprachig im Rahmen einer interaktiven App für mobile Geräte zur Verfügung gestellt.

Umfangreicher Ausstellungskatalog

Dabei kann die Ausstellung nur einen kleinen Ausschnitt des Themas beleuchten, denn im Rahmen der jahrelangen Recherchen hat der Raerener Museumsleiter mehr als 600 solcher Gemälde von mehr als 160 verschiedenen Malern ausfindig gemacht und den entsprechenden „Raerener Pötten“ zugeordnet. Sie alle sind zu finden im Ausstellungskatalog, der mehr als 530 Seiten in Farbe umfasst und im Töpfereimuseum Raeren sowie in der Buchhandlung IDEA (Gospertstr. 37, 4700 Eupen) zum Preis von 45 € erhältlich ist – nicht nur Dokumentation, sondern auch ein wunderbares Geschenk für jeden, der sich für Kunst und Geschichte interessiert.

Weitere Informationen sowie einen virtuellen Blick in die Ausstellung finden Sie hier: https://app.pandasuite.com/vXpcJd3H#! 

Die Ausstellung ist vom 1. November 2022 bis zum 1. Mai 2023 im Töpfereimuseum in der Burg Raeren zu sehen. Sie ist täglich, außer montags, von 10 bis 17 geöffnet, außer am 1. Weihnachtstag und am 1. Januar; Heiligabend und Silvester ist von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt für das gesamte Museum (inkl. Sonderausstellung) beträgt 3 € für Erwachsene, 2 € für Jugendliche bis 18, Senioren und Gruppen; Kinder bis 12 Jahre und Einwohner der Großgemeinde Raeren haben freien Zugang. 

Weitere Informationen dazu im Töpfereimuseum Raeren – Burgstraße 103 – B-4730 Raeren, Tel.: +32-(0)87-850903, www.toepfereimuseum.org – info@toepfereimuseum.org.