Preisträger des Euregio-Keramikwettbewerbs 2010 im Haus Zahlepohl zu Gast
Neue Spielarten der Keramik
Raeren – Im Haus Zahlepohl gegenüber der Burg Raeren ist derzeit wieder hochwertige zeitgenössische Keramik zu sehen. Bis zum 5. Juni präsentiert das Töpfereimuseum Raeren die drei Preisträger des letztjährigen Euregio-Keramikwettbewerbs: Martin McWilliam (GB/D), Carla de Vrijer (NL) und Angelika Jansen-Meints (D). Die Ausstellung, die am 1. Mai eröffnet wurde, zeigt sehenswerte Einzelstücke dieser drei Künstler, auch im Hinblick auf den diesjährigen Euregio-Keramikmarkt, der am 10. und 11. September 2011 rund um die Burg Raeren stattfinden wird.
In jedem Jahr vergibt das Töpfereimuseum Raeren anlässlich seines Euregio-Keramikmarktes an der Burg Raeren an die drei besten Teilnehmer den Euregio-Keramikpreis. Von den drei Preisträgern werden nicht nur Werke für die Sammlungen des Museums angekauft; sie werden auch im darauf folgenden Jahr in einer Gemeinschaftsausstellung dem hiesigen Publikum etwas ausführlicher präsentiert.
Trompe l’oeil
Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes im Haus Zahlepohl fragt sich der Besucher zunächst einmal: Was ist das denn? Stehen da Bilder von Gefäßen in den Vitrinen und auf den Sockeln? Weit gefehlt, denn beim Näherkommen stellt man schnell fest, dass es sich durchaus um dreidimensionale Objekte handelt, die der gebürtige Engländer Martin McWilliam aus gebranntem Ton geschaffen hat. Das, was man in der Malerei „Trompe l’oeil“ nennt, hat er in gebranntem Ton umgesetzt: Dinge, die vorgeben etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich sind. Dieses Thema vom „Gefäß und seinem Bild“ variiert der international renommierte Keramiker unendlich und in vielen verschiedenen Spielarten. Dabei dienen die Oberflächendekore dazu, die Sinnestäuschung zu verstärken, die durch die besondere perspektivische Verzerrung der Formen zustande kommt.
Martin McWilliam, der in Südafrika geboren wurde und seine Ausbildung zum Keramikkünstler in England, Japan und verschiedenen europäischen Werkstätten erhielt, lebt und arbeitet in Sandhatten bei Oldenburg. Dort leitet er auch die regionale Werkschule und organisiert die weiträumig bekannten Oldenburger Keramiktage. Mit seiner außergewöhnlichen Herangehensweise an die ansonsten fast immer „runden“ Keramikformen hat er nicht nur zahlreiche internationale Preis gewonnen, sondern sich auch europaweit einen Namen gemacht. Derzeit gibt es parallel zur Raerener Ausstellung beispielsweise noch eine Einzelausstellung mit seinen Werken im Rijksmuseum voor Oudheden in Leiden (NL).
„Nacktes“ Raku
Keine Angst – das Töpfereimuseum begibt sich nicht in Abgründe. Vielmehr ist dieser Begriff „Naked Raku“ die Bezeichnung für eine ganz besondere und uralte japanische Brenntechnik, die von der zweiten Preisträgerin, Carla de Vrijer aus Doetinchem (NL), erfolgreich eingesetzt wird. Dabei werden die Objekte nach einem ersten Brand mit farbigen Engoben und Glasuren überzogen und dann, als Höhepunkt des zweiten Brandes, glühend mit einer Zange aus dem Ofen geholt. In Sägemehl abgekühlt entstehen bei dieser „Sturzkühlung“ zufällige Risse in der Glasur, die schwarz gefärbt sind und wie ein Spinnennetz das Gefäß überziehen.
Doch nicht nur das „Craquelée“, wie man diese besondere Oberflächengestaltung nennt, zeichnet die Objekte der Keramikerin aus, sondern vor allem dessen Kombination mit klaren und schwungvollen Formen, die entfernt an Niki de Saint Phalles „Nanas“ erinnern. Als Farben sind hier jedoch Weiß und Schwarz dominant. Der extreme Kontrast wird teilweise noch akzentuiert, in dem Carla de Vrijer die Gefäße aufreißt, sie optisch sozusagen von innen heraus platzen lässt und diese Brüche mit unendlich vielen feinen Strukturen versieht, die wie kleine Lebewesen aus den Schalen und Vasen hervorzukriechen scheinen.
Keramik mit Stachelschweinborsten
Die dritte Preisträgerin, Angelika Jansen-Meints aus Brüggen (D) am Niederrhein setzt ebenfalls vorwiegend traditionelle Brenntechniken ein: Schmorbrand, Rauchbrand, Holzbrand, Raku und Naked Raku. Dabei entstehen sehr vielseitige Objekte, die allesamt auf traditionellen Gefäßformen beruhen, aber nicht zum Gebrauch geeignet sind. Vielmehr werden sie durch die aufwändige Oberflächenbehandlung mit vielen kleinen Details zu Kunstwerken, die sich von jedem Gebrauchszweck gelöst haben.
Diese Wirkung verstärkt die Keramikkünstlerin häufig dadurch, dass sie im Sinne des Kunstbegriffes „Ready made“ auch Fremdmaterialien mit ihren Keramiken kombiniert: alte verwitterte Hölzer, verrostetes Eisen, entsorgte Baumaterialien, ja sogar die Stacheln von Stachelschweine werden an den Keramiken angebracht und erwachen so ihrerseits zu einem neuen, zweckfremden Leben. Der besondere Reiz liegt darin, dass dies dann aussieht, als wäre es ursprünglich füreinander geschaffen – die Keramiken und die Fremdapplikationen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni 2011 im Ausstellungsraum von Haus Zahlepohl (1. Etage) zu sehen, täglich von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
In jedem Jahr vergibt das Töpfereimuseum Raeren anlässlich seines Euregio-Keramikmarktes an der Burg Raeren an die drei besten Teilnehmer den Euregio-Keramikpreis. Von den drei Preisträgern werden nicht nur Werke für die Sammlungen des Museums angekauft; sie werden auch im darauf folgenden Jahr in einer Gemeinschaftsausstellung dem hiesigen Publikum etwas ausführlicher präsentiert.
Trompe l’oeil
Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes im Haus Zahlepohl fragt sich der Besucher zunächst einmal: Was ist das denn? Stehen da Bilder von Gefäßen in den Vitrinen und auf den Sockeln? Weit gefehlt, denn beim Näherkommen stellt man schnell fest, dass es sich durchaus um dreidimensionale Objekte handelt, die der gebürtige Engländer Martin McWilliam aus gebranntem Ton geschaffen hat. Das, was man in der Malerei „Trompe l’oeil“ nennt, hat er in gebranntem Ton umgesetzt: Dinge, die vorgeben etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich sind. Dieses Thema vom „Gefäß und seinem Bild“ variiert der international renommierte Keramiker unendlich und in vielen verschiedenen Spielarten. Dabei dienen die Oberflächendekore dazu, die Sinnestäuschung zu verstärken, die durch die besondere perspektivische Verzerrung der Formen zustande kommt.
Martin McWilliam, der in Südafrika geboren wurde und seine Ausbildung zum Keramikkünstler in England, Japan und verschiedenen europäischen Werkstätten erhielt, lebt und arbeitet in Sandhatten bei Oldenburg. Dort leitet er auch die regionale Werkschule und organisiert die weiträumig bekannten Oldenburger Keramiktage. Mit seiner außergewöhnlichen Herangehensweise an die ansonsten fast immer „runden“ Keramikformen hat er nicht nur zahlreiche internationale Preis gewonnen, sondern sich auch europaweit einen Namen gemacht. Derzeit gibt es parallel zur Raerener Ausstellung beispielsweise noch eine Einzelausstellung mit seinen Werken im Rijksmuseum voor Oudheden in Leiden (NL).
„Nacktes“ Raku
Keine Angst – das Töpfereimuseum begibt sich nicht in Abgründe. Vielmehr ist dieser Begriff „Naked Raku“ die Bezeichnung für eine ganz besondere und uralte japanische Brenntechnik, die von der zweiten Preisträgerin, Carla de Vrijer aus Doetinchem (NL), erfolgreich eingesetzt wird. Dabei werden die Objekte nach einem ersten Brand mit farbigen Engoben und Glasuren überzogen und dann, als Höhepunkt des zweiten Brandes, glühend mit einer Zange aus dem Ofen geholt. In Sägemehl abgekühlt entstehen bei dieser „Sturzkühlung“ zufällige Risse in der Glasur, die schwarz gefärbt sind und wie ein Spinnennetz das Gefäß überziehen.
Doch nicht nur das „Craquelée“, wie man diese besondere Oberflächengestaltung nennt, zeichnet die Objekte der Keramikerin aus, sondern vor allem dessen Kombination mit klaren und schwungvollen Formen, die entfernt an Niki de Saint Phalles „Nanas“ erinnern. Als Farben sind hier jedoch Weiß und Schwarz dominant. Der extreme Kontrast wird teilweise noch akzentuiert, in dem Carla de Vrijer die Gefäße aufreißt, sie optisch sozusagen von innen heraus platzen lässt und diese Brüche mit unendlich vielen feinen Strukturen versieht, die wie kleine Lebewesen aus den Schalen und Vasen hervorzukriechen scheinen.
Keramik mit Stachelschweinborsten
Die dritte Preisträgerin, Angelika Jansen-Meints aus Brüggen (D) am Niederrhein setzt ebenfalls vorwiegend traditionelle Brenntechniken ein: Schmorbrand, Rauchbrand, Holzbrand, Raku und Naked Raku. Dabei entstehen sehr vielseitige Objekte, die allesamt auf traditionellen Gefäßformen beruhen, aber nicht zum Gebrauch geeignet sind. Vielmehr werden sie durch die aufwändige Oberflächenbehandlung mit vielen kleinen Details zu Kunstwerken, die sich von jedem Gebrauchszweck gelöst haben.
Diese Wirkung verstärkt die Keramikkünstlerin häufig dadurch, dass sie im Sinne des Kunstbegriffes „Ready made“ auch Fremdmaterialien mit ihren Keramiken kombiniert: alte verwitterte Hölzer, verrostetes Eisen, entsorgte Baumaterialien, ja sogar die Stacheln von Stachelschweine werden an den Keramiken angebracht und erwachen so ihrerseits zu einem neuen, zweckfremden Leben. Der besondere Reiz liegt darin, dass dies dann aussieht, als wäre es ursprünglich füreinander geschaffen – die Keramiken und die Fremdapplikationen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni 2011 im Ausstellungsraum von Haus Zahlepohl (1. Etage) zu sehen, täglich von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Ein Text des Töpfereimuseums Raeren, info@toepfereimuseum.org

