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Preisträger des Euregio-Keramikpreises 2011



Preisträgerinnen des Euregio-Keramikwettbewerbs 2011 im Haus Zahlepohl

Auch Keramik kann Kunst sein

Am 05. Mai 2012 hatten zahlreiche Kunst- und Keramikinteressierte die Gelegenheit, erstmals einen umfassenden Blick auf das künstlerische Schaffen der drei Preisträgerinnen des Euregio-Keramikwettbewerbs 2011 zu werfen und auch einige der beeindruckenden Kunstwerke aus Ton zu erwerben. Carla de Vrijer (NL), Cathérine Delbruyère (B) und Heide Bornhak (A) sind Künstlerpersönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, auch wenn sie mit dem gleichen Material arbeiten. Die vielseitige Ausstellung im Haus Zahlepohl ist noch bis zum 10. Juni zu sehen.

Seit 1995 organisiert das Töpfereimuseum Raeren seinen jährlichen Euregio-Keramikmarkt und seit 1996 vergibt es in diesem Rahmen den jährlichen Euregio-Keramikpreis, der jeweils an die drei bzw. vier besten Teilnehmer geht. Zu dieser Tradition gehört auch, dass den ausgezeichneten Keramikern im Folgejahr eine Sonderausstellung gewidmet wird, die seit Freitagabend im Haus Zahlepohl (gegenüber der Burg Raeren) und noch bis zum 10. Juni einschließlich zu sehen ist.

„Nacktes“ Raku

Die Gewinnerin des 1. Preises des Jahres 2011, der gleichzeitig auch der Publikumspreis zuerkannt wurde, war vielen der Besucher am Wochenende schon bekannt, hatte sie doch im Vorjahr bereits den 2. Preis gewonnen. Carla de Vrijer aus Doetinchem (NL) arbeitet mit einer uralten japanischen Brenntechnik, die Naked-Raku genannt wird. Dabei werden die glühenden Objekte bei 900° Celsius aus dem Ofen geholt und in Sägemehl oder anderen organischen Materialien sturzgekühlt. So entstehen feine Haarrisse in der Glasur, die den Objekten einen ganz besonderen und zufälligen Reiz geben. Carla de Vrijers Keramiken sind zudem mit Durchbrechungen und unzähligen fein ziselierten „Spitzen“ verziert, die sich wie kleine Würmer aus den Gefäßkörpern herauswinden und ihnen so eine besondere Lebendigkeit verleihen. Dies erfordert nicht nur unglaubliche Fingerfertigkeiten und Geduld, sondern auch ein Gefühl für Formen, Ästhetik und die Wirkung des Feuers. Carla de Vrijers Keramiken sind jedenfalls außergewöhnlich – nicht nur in den Augen des Publikums, sondern auch der Keramikerkollegen, die ihr anlässlich des letztjährigen Marktes diesen Preis zuerkannten.

Wie eine Auster

Die Gewinnerin des 2. Preises 2011 fertigt ebenfalls kein gewöhnliches Gebrauchsgeschirr. Vielmehr sind auch die Werke von Cathérine Delbruyère aus Leffe bei Dinant (B) wahre Kunstobjekte. Was auf den ersten Blick wie ein Materialmix aussieht, ist auch ein solcher – und dennoch wiederum auch nicht, denn es handelt sich ausschließlich um keramische Materialien. Im Zentrum dieser Keramiken stehen glänzend, glatte, weiße Formen aus Limoges-Porzellan: edel und elegant, wie Schmuckstücke. Sie entwachsen jedoch einer rauen Schale, die mit stark schamottierten und ganz groben Tonarten hergestellt wird. Verschiedene Mischungen und Metalloxide geben dieser Schale sogar recht unterschiedliche Färbungen mit kleinen Akzenten – in manchen Fällen erscheinen die Objekte wie eine Auster, die ihre Perle preisgibt oder wie ein verrotteter Baumstamm, aus dem stolz und rein ein Pilz sprießt.

Philosophie des Feuers

Auch die Werke der dritten Preisträgerin, Heide Bornhak aus Leutasch (A), sind reine Kunstwerke und haben mit den herkömmlichen Vorstellungen von Keramik nur wenig zu tun. Die Künstlerin, die 1983 in der ehemaligen DDR mit einem Berufsverbot belegt wurde und 1986 zunächst in die BRD und später nach Österreich auswanderte, bezieht ihre Inspirationen vorwiegend aus der Natur und dem Wandlungsprozess von Entstehen, Werden und Vergehen, aber auch aus literarischen Werken oder eigenen Gedanken, Träumen und Gefühlen. Mit den Händen aus verschiedenen Tonen aufgebaut und unterschiedlich bearbeitet, hat das Feuer das letzte Wort. Es hinterlässt in verschiedenartigen „primitiven“ Brennverfahren seine Wirkung und setzt Farbenspiele, die nur ein natürliches Element hervorbringen kann, das sich nicht so ohne weiteres steuern lässt. Bei Heide Bornhaks Kunstwerken aus gebranntem Ton variieren die Sinngehalte und entsprechend auch die Ausführung, immer aber stehen Ästhetik und die Anlehnung an die Natur im Vordergrund.

Die Ausstellung mit zahlreichen Werken der drei Preisträgerinnen des Euregio-Keramikwettbewerbs 2011 ist noch bis zum 10. Juni im Haus Zahlepohl (gegenüber der Burg Raeren) zu sehen, täglich außer montags, von 12 bis 18 Uhr. Alle Keramiken stehen zum Verkauf und der Eintritt zur Ausstellung ist frei.


Weitere Auskünfte:
Töpfereimuseum Raeren
Burgstraße 103 – 4730 Raeren (B)
Tel.: +32-(0)87-850903
Fax: +32-(0)87-850932
E-Mail: info@toepfereimuseum.org
www.toepfereimuseum.org
täglich von 10 bis 17 Uhr.

Ein Text des Töpfereimuseums Raeren, info@toepfereimuseum.org